Führungsethik als Ethik in den Wissenschaften

Das auf drei Jahre angelegte und mit rund 1,2 Mio. Euro von der Carl Zeiss Stiftung geförderte Drittmittelprojekt „Führungsethik als Ethik in den Wissenschaften“ hat sich zum Ziel gesetzt, ein kompetenzorientiertes Lehr-Lernangebot „Führungsethik“ für Studierende und Doktorand*innen der MINT-Fächer zu konzeptionieren und damit das fachwissenschaftliche Studium um die Vermittlung ethisch-moralischer und methodischer Führungskompetenzen zu ergänzen.

 

Das interdisziplinäre Verbundprojekt, das sich zur Bewältigung der vielfältigen Forschungsaufgaben aus einem methodisch breit aufgestellten Team zusammensetzt und Naturwissenschaften mit den Geistes- und Sozialwissenschaften verknüpft, setzt an den Ergebnissen einer von 2014 – 2016 durchgeführten Vorstudie an: Führungskompetenzen und damit verbundene ethische Fragestellungen werden kaum in der Lehre bzw. in den untersuchten Studiengängen thematisiert[1], obwohl gerade die Absolvent*innen in Fächern des MINT-Spektrums, wie bspw. im Fach Chemie, überdurchschnittlich häufig unmittelbar nach dem Studium in Führungspositionen in das Berufsleben starten.

Das ist ein klares Defizit nicht nur angesichts gesellschaftlicher Erwartungen an höhere Bildung, sondern auch mit Blick auf die Bologna-Rahmenvorgaben für BA-/MA- bzw. B.Sc./M.Sc.-Studiengänge, die Forderungen von Fachverbänden und Akkreditierungsagenturen sowie die bestehenden Ansätze einer normativen Theorie der Führung. Forschungsleitendes Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Institutionalisierung eines Curriculums zur Vermittlung von jenem Wissen und jenen Kompetenzen, die die Studierenden auf ihre verantwortungsvolle Führungsaufgabe vorbereiten und befähigen, gute Führungskräfte zu werden.

Das Lehr- Lernangebot wird zunächst im Rahmen eines Modellversuchs an der Eberhard Karls Universität in Tübingen getestet und soll langfristig strukturell in den Studienplan integriert werden. Perspektivisch ist die Übertragung auf andere Studienorte vorgesehen.

Um Herausforderungen und zentrale Elemente von Führungsethik aus der Praxisperspektive aufnehmen und in die Entwicklung der konkreten Lerninhalte einfließen lassen zu können, wird am Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung in Mainz eine Interviewstudie mit Führungskräften unterschiedlicher Hierarchieebenen - vom TOP-Management bis zu den High-Potentials – sowie mit relevanten Berufsverbänden durchgeführt. Darüber hinaus entwickelt der Standort Mainz ein Instrument, das zur Messung der im Rahmen des Lehr-Lernangebots vermittelten Kompetenzen eingesetzt werden wird.

Neben dem Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, sind das Internationale Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen (Projekt-Koordination), die Arbeitsgruppe Chemiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie das Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik (WZGE) an dem Projekt beteiligt.

 

Förderzeitraum: 2019 – 2021

Drittmittel Mainz: 262.750 €


[1] Fregin, Marie-Christin / Richter, Philipp / Schreiber, Benedikt / Wüstenhagen, Stefanie / Dietrich, Julia 2016: Führungsverantwortung in der Hochschullehre. Zur Situation in den MINT-Fächern und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen, Tübingen: IZEW (Materialien zur Ethik in den Wissenschaften, Band 12).