Studienmotivation und Studienkultur: Empirische Untersuchung zu Konzeptionierung und Erhebungsdesign

Mit Beginn des Wintersemesters 1998/1999 führte das Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fächern bzw. Fachbereichen eine empirische Untersuchung durch, die Aspekte Aus dem Projekt gingen zudem zwei Magisterarbeiten hervor, die gleichsam den der Studienmotivation und der Studienkultur zum Inhalt hatte. Im Mittelpunkt stand dabei die Analyse studentischer Einstellungen und Erwartungen sowie die Identifikation spezifischer (Orientierungs-)Muster von Studierenden in unterschiedlichen Fachbereichen und Fächern. Zudem sollte der Frage nach der Relevanz dieser und anderer Faktoren im Hinblick auf die Studienzufriedenheit nachgegangen werden.

 

Untersuchungsansätze und Ergebnisse

Grundlage der Datenerhebung war ein in Kooperation mit Prof. Kampe von der Fachhochschule Darmstadt entwickeltes quantitatives Untersuchungsinstrument, das unter Einbeziehung der Ergebnisse eines Pretests und mit Berücksichtigung spezifischer Charakteristika des Studiums an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz modifiziert wurde. Die Befragung wurde zwischen dem Wintersemester 1999/2000 und dem Wintersemester 2000/2001 in den Fachbereichen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften, Philologie I bis III, Geschichtswissenschaft, Physik, Biologie, Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft und Sport im Rahmen von Lehrveranstaltungen durchgeführt. Hervorzuheben ist hierbei die hohe Kooperationsbereitschaft aller involvierten Fächer. An der Befragung beteiligten sich über 2500 Studierende, von denen sich zudem mehr als 500 bereit erklärten, an einer etwaigen Folgeuntersuchung teilzunehmen.

Unter Bezugnahme auf zwei Drittel der insgesamt erhobenen Daten, wurden zudem im Sommersemester 2002 zwei Teilauswertungen erstellt, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Betreuung in elf der untersuchten Fächer beschäftigen. Als Kernziel des Aufsatzes Studentische Orientierungen kann die Identifikation studentischer Orientierungsmuster ausgewiesen werden; aufbauend hierauf lagen weitere Schwerpunkte in der Erforschung dieser Muster im Hinblick auf ihre fachspezifische Ausprägung und der Frage nach dem Zusammenhang zwischen Orientierungen und der Einschätzung der universitären Betreuungsangebote durch die Studierenden. Aus der Analyse ergaben sich acht Orientierungsdimensionen, welche innerhalb des integrierten Fächerkanons zum Teil deutlich unterschiedlich ausgeprägt sind. Die Einschätzung der Betreuung hingegen weist keinen erkennbaren Zusammenhang mit den identifizierten Motivationsfaktoren auf; dies mag ein Zeichen für den zentralen Stellenwert der Betreuung im Studium aller Befragten sein. In dem Artikel Die Betreuung Studierender: Messung und Implikationen wird der Frage nach fächerspezifischen Unterschieden bezüglich der Betreuungssituation bzw. der Betreuungsbewertung nachgegangen. Es lässt sich zeigen, dass die Einschätzungen der Studierenden verschiedener Fächer hinsichtlich der im Rahmen des Studiums erfahrenen Betreuung erhebliche Divergenzen aufweisen. Im Hinblick auf die diesbezüglichen Ursachen werden die Studienstruktur und die Studienanforderungen sowie die jeweilige Anzahl der Studierenden im Fach als Erklärungsgrößen herangezogen. Darüber hinaus wird die Bewertung der Betreuung in Relation gesetzt zu den Einschätzungen hinsichtlich der Zufriedenheit mit dem gewählten Studienfach. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Studienzufriedenheit zwar mit der Güte der Betreuung einher geht, dass daneben jedoch weitere Faktoren zu berücksichtigen sind. Beide Aufsätze erscheinen in Kürze in Band 8 der Mainzer Beiträge zur Hochschulentwicklung.

Aus dem Projekt gingen zudem zwei Magisterarbeiten hervor, die gleichsam den Abschluss der empirischen Untersuchung markieren. Ausgangspunkt für eine erste Untersuchung bildete die Frage, ob und inwiefern spezifische Motivationen von Studienanfängern die Entscheidung für ein bestimmtes Fach beeinflusst haben. Nach der Ermittlung entsprechender Motivationsdimensionen im Rahmen von Konstrukten der Leistungsmotivation, Berufsorientierung sowie der intrinsischen Studienmotivation war es möglich nachzuweisen, dass jene Motivationskonzepte bzw. die jeweiligen Orientierungsfaktoren relevante Beiträge zur Erklärung der Studienfachwahl liefern. Für jede Fächergruppe konnte festgestellt werden, welche der Komponenten bedeutsam für die Abgrenzung von den jeweils anderen Gruppen ist und inwieweit spezifische Motivationen charakteristisch für eine der Fächergruppen von Studienanfängern sind. Für weiterführende Untersuchungen wäre es im Rahmen eines zu entwickelnden (handlungs-)theoretischen Konzeptes wünschenswert, auch die Ausbildung studentischer Orientierungen in Abhängigkeit von sozialstrukturellen bzw. sozialisationsspezifischen Merkmalen zu analysieren. Diese Beziehung könnte in ein Pfadmodell integriert werden: Studentischen Orientierungen käme somit die Rolle von intervenierenden Variablen als ‚Bindeglied' zwischen sozialstrukturellen Merkmalen und der Studienfachwahl zu. Mit Blick auf studentische Orientierungen wäre zudem die Durchführung von Panelanalysen vorstellbar, die es ermöglichen würden, auf den Studienverlauf bezogene Untersuchungen fachkultureller Einflüsse durchzuführen. Die zweite Arbeit widmete sich der eingehenderen Untersuchung von Determinanten der Studienzufriedenheit. Das als Zugang gewählte AGIL-Schema von Parsons' diente dazu, bisherige Forschungsergebnisse zu systematisieren und in ein umfassendes Rahmenmodell zur Studienzufriedenheit einzubetten. Zudem konnte derart eine differenzierte Struktur der Einflussfaktoren auf die Studienzufriedenheit gewonnen werden. Mit Hilfe verschiedener multivariater Verfahren war es sodann möglich die jeweilige Stärke der Einflüsse zu quantifizieren. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere studentische Wertorientierungen, im Hinblick auf Studium, Wissenschaft und Forschung (speziell die Ernsthaftigkeit, mit der das Studium betrieben wird) sowie die Rahmenbedingungen im Fach (vor allem die Akademische Gemeinschaft) als bedeutsame Erklärungsgrößen für die Studienzufriedenheit anzusehen sind. Hingegen scheinen die übrigen untersuchten Prädiktoren, Leistungsvariablen (mit Ausnahme des Leistungsvermögens) und Studienziele (ausgenommen Realisierungsmöglichkeiten zur Erreichung bestimmter Ziele), von nachrangiger Bedeutung zu sein. Weiterer Forschungsbedarf besteht vor allem im Hinblick auf Operationalisierungsfragen, die Relevanz unterschiedlicher Faktoren für die Studienzufriedenheit Studierender in unterschiedlichen Fächern sowie die Beziehung der Einflussfaktoren untereinander.

Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden veröffentlicht in:

Uwe Schmidt (Hg): Übergänge im Bildungssystem. Motivation – Entscheidung – Zufriedenheit. Wiesbaden 2006.