Implementierung, Begleitung und Evaluation von Mentoring-Programmen in Wissenschaft, Verwaltung und Politik

Das ZQ ist seit mehreren Jahren mit der Implementierung, Begleitung und Evaluation von Mentoring-Programmen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Handlungsfeldern, vorrangig in Programmen mit Gender-Schwerpunkt befasst.



Mentoring kann als zusätzlicher Baustein in der Nachwuchskräfteentwicklung als „training near the job“1 besondere Akzente setzen, gerade auch für die Herstellung von Chancengleichheit und für den Abbau struktureller Barrieren im Karriereaufstieg von Frauen. Mentoring wirkt hier differenzierter als andere Personalentwicklungsmaßnahmen: „Die persönliche Beziehung zwischen Mentorin/Mentor und Mentee ermöglicht einen intensiven und praxisnahen Wissens- und Erfahrungsaustausch, in dem individuelle Lernbedarfe berücksichtigt werden können. Auch kann der Austausch zwischen Mentee und Mentorin/Mentor entsprechend der individuellen Verfügbarkeit und angelehnt an besondere berufliche Ereignisse zeitlich und thematisch flexibler gestaltet werden. Zudem kann im Idealfall zwischen Mentorin/Mentor und Mentee eine Beziehung entstehen, die auch über das Programm hinaus längerfristig Wirkungen entfaltet.“2

Folgende Mentoring-Programme werden aktuell durch Beratung oder Evaluation unterstützt:

„Mehr Frauen an die Spitze!“ – Mentoring-Programm für weibliche Führungskräfte in der Landesverwaltung Rheinland-Pfalz

Laufzeit: 2009 – heute

Das Mentoring-Programm wurde zunächst durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen (MASGFF) und seit 2011 durch das Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen (MIFKJF) federführend umgesetzt. Gemeinsam mit Vertreterinnen des Interministeriellen Ausschusses für Frauenfragen (IMA) wurde im Jahr 2009 beschlossen, ein Mentoring-Programm für weibliche angehende Führungskräfte zu entwickeln. Ausgangspunkt zur Initiierung des Programms bildeten die Ergebnisse des 3. Berichts zur Umsetzung des Landesgleichstellungsgesetzes. Auch im 4. Bericht (2012) wird wiederholt auf den niedrigen Anteil von Frauen in Führungspositionen hingewiesen, der die Landesverwaltung zum weiteren Handeln veranlasst.

Das ZQ übernimmt im Zuge der wissenschaftlichen Beratung und Begleitung eine beratende Funktion gegenüber der Projektleitung und dem Lenkungsbeirat. Weitere Aufgaben sind neben der Evaluation die Organisation des Rahmen- und Qualifizierungsprogramms sowie die Funktion als externe Kontaktstelle für die Mentoring-Tandems.

Im Fokus der durchgeführten Evaluation stehen folgende ausgewählten Handlungsfelder des Mentoring-Programms:

  • Mentoring-Beziehung: Von der Auswahl bis zur Ausgestaltung der Beziehung
  • Umsetzung und Annahme des Rahmen- und Qualifizierungsprogramms
  • Berufliche und persönliche Entwicklung der Mentee
  • Konzeptionelle und strategische Überlegungen zum Personalentwicklungsinstrument für angehende weibliche Führungskräfte.

„Mit Mentoring vor Ort – Mehr Frauen in die Kommunalpolitik“

Laufzeit: 2012 – 2013

Bei dem Mentoring-Programm „Mit Mentoring vor Ort - Mehr Frauen in die Kommunalpolitik“ handelt es sich um ein weiteres strategisches Element zur Förderung von Chancengleichheit. Das Programm ist eingebunden in die Kommunalwahlkampagne für das Jahr 2014 des Landes Rheinland-Pfalz. Das Frauenministerium will hierüber Frauen ansprechen, die ein politisches Amt anstreben bzw. sich politisch engagieren wollen, um damit den Anteil von Frauen, die sich 2014 zur Wahl stellen, parteiübergreifend maßgeblich zu erhöhen. Das bereits in 2011 im Rahmen einer Pilotphase durchgeführte Mentoring-Programm in der Kommunalpolitik wurde im Jahr 2012 formativ bezüglich Steuerung, Umsetzung und Durchführung evaluiert, um auf dieser Basis Handlungsempfehlungen für dessen Weiterführung zu entwickeln. Das Mentoring-Programm startete 2012 in fünf Regionen in Rheinland-Pfalz.

Die Evaluation des Programms analysiert Stärken und Schwächen in Bezug auf die Strukturen, Prozesse, Wirkungen und Perspektiven des Programms.

Evaluation von Mentoring-Programmen in der Wissenschaft

Zielgruppe: Absolventinnen, Promovendinnen, PostDocs, Habilitandinnen, Juniorprofessorinnen

Das ZQ wird regelmäßig mit der Evaluation von Mentoring-Programmen für Nachwuchswissenschaftlerinnen betraut. Der konzeptionelle Aufbau der Mentoring-Programme umfasst i.d.R. folgende drei Aspekte:

(1) Eins-zu-Eins-Mentoring-Beziehung: Die Mentee wird über einen festgelegten Zeitraum durch eine Führungskraft aus Wissenschaft, Wirtschaft oder Gesellschaft persönlich begleitet.

(2) Coaching- und Qualifizierungsprogramm: Praxisorientierte Seminare zur Karriereorientierung, zu Führungsverhalten und Schlüsselkompetenzen sowie eine Begleitung der Mentoring-Beziehung finden über den gesamten Programmverlauf statt.

(3) Networking: Netzwerkveranstaltungen sowie selbstinitiierte Veranstaltungen fördern die Vernetzung der Mentees, Mentorinnen und Mentoren untereinander sowie den fachlichen und interdisziplinären Austausch von (Nachwuchs-)Wissenschaftlerinnen.

Folgende Programme im Wissenschaftsbereich wurden bzw. werden evaluiert:

Ada-Lovelace-Projekt für Absolventinnen für FB 08-10 (seit 2011)

Christine de Pizan-Programm für die FB 01-03 und 05-07 (seit 2011)

Edith Heischkel Mentoring-Programm an der Universitätsmedizin (FB 04) (seit 2010)

Hochschule Koblenz (2012)

Universität Trier (2013 – 2015)

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1Personalentwicklung findet hier in enger räumlicher, zeitlicher und inhaltlicher Nähe zum Arbeitsplatz statt.

2Lukoschat, Helga/ Kletzing, Uta (2006): „Mentoring Revisited“ Ziele, Effekte und künftige Herausforderungen. Erschienen in: Peters, Sibylle u.a. (Hrsg.): Flankierende Personalentwicklung durch Mentoring II. München und Mering, S. 87-101.