Lehrtipps: Medien

heutiges Thema: Lehrer und neue Medien

"Der Mensch ist des Menschen erster und vorzüglichster Lehrer." Dieser Satz von Johann Gottfried Herder ist schon alt, und man fragt sich, ob er angesichts der neuen Medien noch richtig ist. Gilt man nicht als altmodisch und rückständig, wenn man daran festhält?

Ich glaube es nicht. Wie immer hängen wir Deutschen uns in neue Medien und Verfahren so gewaltig rein, als ob sie die Lösung aller Probleme brächten.

"Es ist schlichter Aberglaube, dass die Computerisierung der Schule Fortschritt bedeute. Die Zahl der Internetanschlüsse als Maß für die Qualität? - Wie schon die Abschaffung der Tintenfässer und die Einführung der Füllfederhalter kein pädagogisches Problem gelöst haben, ist auch heute die technische Investition ein manchmal förderliches, oft unnötiges, nie jedenfalls hinreichendes Element des Unterrichts." (Dietmar Polaczek in der FAZ vom 22.12.01)

Jedes Lehr-Mittel, jedes Lehr-Verfahren, jedes Lehr-Medium hat bestimmte Vorzüge und bestimmte Schwächen. Die sollten wir kennen und dann im konkreten Fall ein geeignetes auswählen als Mittel, dessen wir uns als Lehrer bedienen - als erste und vorzüglichste Lehrer unserer Studenten.

 


 

heutiges Thema: Sehgewohnheiten

Bei einem PowerPoint-Seminar sprach der Referent:"Sie können ruhig ein Feuerwerk von visuellen Informationen auf Ihre Studenten loslassen. Die sind so etwas von Jugend an gewöhnt und wollen es sogar so.

Sie sind aber auch von Jugend an gewöhnt, darauf in bestimmter Weise zu reagieren, nämlich: möglichst gar nicht - jedenfalls nicht in der Form, selbständig etwas zu tun."

Und nur das bringt sie weiter.

 


 

heutiges Thema: Offenbar nicht!

Nach meinem Vortrag zur visuellen Präsentation kam eine junge Kollegin zu mir:

"Da kann ich mich ja richtig aufregen! Wissen Sie, alles, was Sie uns da erzählt haben, also ich meine, ich will Ihnen da nicht zu nahe treten, Ihr Vortrag war ja ganz gut - aber das ist doch alles ganz simples Zeug, ganz einfach, ganz elementar, sozusagen selbstverständlich. Dass man die Schrift auf den Folien so groß machen soll, dass die Studenten sie lesen können - oder dass man seine Folien nicht völlig überfrachten soll, weil die Studenten sie dann erst gar nicht lesen wollen - also das muss doch jedem klar sein! - Ich frag mich nur: Warum machen die Dozenten das denn nicht?? Man braucht ja nur durch die Hörsäle zu gehen, da sieht man doch, wie es zugeht. Haben die sich denn noch nie auf einen Platz hinten im Hörsaal gesetzt und ihre eigenen Folien angeguckt?"

"Offenbar nicht! - Aber vielleicht hilft's, wenn man sie auf diese Idee bringt."

 


 

heutiges Thema: Foliennummern

28/31 stand unten rechts in der Ecke der Folie - nur noch 3 Folien. Endlich! Das Ende des ziemlich langweiligen Vortrags war in Sicht.

Sollen wir unsere Folien sichtbar durchnumerieren?

Sollen wir unsere Folien sichtbar durchnumerieren?

Der Zuhörer weiß, wieviel er noch vor sich hat.

Über die Foliennummer kann man in der Diskussion sehr leicht den Bezug aufnehmen.

Wenn man als Vortragender aus der vorgesehenen Abfolge kurz aussteigt und z. B. eine Folie aus dem Reserveanhang dazwischenschiebt, kann man über die Foliennummer leicht wieder zurückkommen. (Nummer eingeben und Enter drücken.)

Die Nachteile sind unübersehbar:Jeder ist ständig damit beschäftigt zu zählen: noch sieben Folien, noch sechs ...oder man grübelt (statt zuzuhören): Zählt der Referent die schwarzen Folien eigentlich auch mit?

Ein Ausweg: Die Nummern ohne Gesamtzahl angeben, also z.B. einfach: 28.

Sollen wir unsere Folien sichtbar durchnumerieren?

Vielleicht gibt es keine ja-nein-Antwort. Wichtig ist zu wissen: Die sichtbaren Nummern sind eine Zusatzinformation, mit der sich die Köpfe unserer Zuhörer beschäftigen, während wir vortragen. In diesem Sinne lenken sie also ab. Ob diese Zusatzinformation den Nachteil des Ablenkens aufwiegt, können wir allerdings für jeden Vortrag neu entscheiden.

 


 

heutiges Thema: 5 x 5 oder 7 x 7 ?

Wir stritten uns: Sollen wir für Folien die 5x5- oder die 7x7-Regel empfehlen? Die Regeln besagen: Maximal 5 Zeilen mit maximal 5 Worten auf einer Folie - oder eben dasselbe mit 7 Zeilen zu 7 Worten.

5x5 galt den einen als "zu wenig, meist hat man mehr". Die anderen fertigten Beispielfolien und siehe da: 7x7 ist tatsächlich schon ziemlich viel! "Und überhaupt" - so die Dritten - "kann man nur etwa 5 Sachen gleichzeitig im Kopf haben."

Ich bin für 5x5 und will das durch eine praktische Erfahrung stützen: Wenn auf einer Internetseite mehrere gleichwertige Auswahlmöglichkeiten angeboten werden, ist eine rasche Orientierung bis zu einem Angebot mit 5 Möglichkeiten problemlos. Ab 6 oder 7 Wahlmöglichkeiten fängt es schon an, unübersichtlich zu werden, es geht mühsamer voran usw.

Vielleicht sollten wir die 5x5-Regel ergänzen: Maximal 5 Zeilen mit maximal 5 Worten. Wenn Sie mehr haben, sollten Sie daran denken, eine neue Gliederungsebene einzuziehen. Im Einzelfall geht's auch bis 7x.

 


 

Bilder und Worte

Als ich in den Hörsaal kam, in dem gerade eine Philosophie-Vorlesung stattgefunden hatte, fand ich auf der Tafel einen großen Kreis. Sonst nichts. Wahrscheinlich "das Sein" oder etwas Ähnliches. Es ist ja bekannt: Bevor ein Geisteswissenschaftler die Tafel benutzt, fließt viel Wasser die Isar hinunter!

Naturwissenschaftler und Ingenieure dagegen können oft gar nicht anders, als sich mit Bildern und Zeichnungen verständigen. Wir stellen sogar zunehmend fest, dass viele gar nicht mehr in der Lage sind, einem rein verbalen Vortrag zu folgen. Es zählt nur das, was visualisiert wird. Manche Vor-lesung wird zur Vor-zeigung.

Zwei extreme Beschreibungen und man fragt sich: Woher kommt eigentlich diese unterschiedliche Einstellung zur Visualisierung?

Ich fand dazu folgendes: Im Mittelalter lasen nur die "Wissenschaftler" Bücher, hielten oder hörten Vor-träge oder Vor-lesungen. Die Bilder gab es in den Kirchen und auf dem Jahrmarkt bei den Geschichtenerzählern. Sie waren für das einfache Volk, das nicht lesen konnte. Ein Gebildeter war darauf nicht angewiesen. Wort und Schrift (Geist) für den Gebildeten, Bilder (Materie) für den einfachen Mann, die einfache Frau.

Und - so der Autor - diese Grundhaltung sitze tief drin, bis heute. Ingenieure seien in diesem Sinne doch eher einfache Leute, die sich mit den Dingen des Alltags abgeben. - Klar, aus welchem Lager der Autor kam.

Warum aber benutzen die Naturwissenschaftler und Ingenieure die Bilder so gerne? - So gerne, daß sie es sogar übertreiben?

 

Vom Tafelputzen

Wenn der Sehapparat unserer Studenten nichts zu tun hat, beschäftigt er sich mit allem, was "vorne" angeboten wird - meist im Unterbewusstsein; zum Beispiel auch mit den Strigilen, die die Kreide auf schlecht geputzten Tafel hinterlassen hat. Das Gehirn bildet daraus Phantasiegebilde - und ist dann nicht mit dem eigentlichen Stoff beschäftigt.

Also: Tafeln müssen tip-top geputzt sein, auch wenn wir sie gar nicht brauchen.

Sie benötigen dazu zwei Geräte aus der Fensterputzerbranche: einen Waschel (fellüberzogener Stab mit Handgriff) und einen Abziehgummi (auch mit Handgriff). Kaufen Sie nur Geräte für Profis, etwa 45 cm breit, alles aus dem Kaufhaus o. ä. ist unbrauchbar.

Zunächst waschen Sie die Tafel waagrecht in langen Zügen mit dem Waschel ab. (Die Kreide muss abgewaschen werden, da braucht's viel Wasser.) Aber nicht zu schwungvoll, sonst haben Sie die Kreidesoße auf Ihrem Gewand. Dann ziehen Sie ebenfalls in waagrechten Bahnen die Tafel mit dem Gummi ab. Wenn Sie währenddessen den Waschel unter dem Abziehgummi mitführen, läuft die Kreidesoße in den Waschel und fließt nicht auf der Tafel herunter.

Auch sehr große Tafeln haben Sie so in ganz kurzer Zeit sauber. Sagen Sie nicht, dafür sei keine Zeit. Die eine Minute tut auch Ihren Studenten gut - gönnen Sie ihnen diese kleine Pause. Sie können das Tafelwischen ja gezielt als Pause zwischen zwei Abschnitten einsetzen.

 

8.3. Quakfrösche

Bevor ich meinen Vortrag über visuelle Präsentation halte, schreibe ich das Wort "Quakfrosch" an die Tafel; am besten, wenn noch gar niemand da ist.

Im Vortrag gibt es dann eine Stelle, an der ich frage: "Wie oft haben Sie inzwischen das Wort "Quakfrosch" gelesen und darüber nachgedacht, was das hier soll? - (allgemeines Nicken, ja, ja ...) - Während dieser Zeit war Ihr Gehirn jedenfalls nicht mit dem beschäftigt, was ich hier vortrage."

Die Quakfrösche bei unserer Lehre sind zahlreich: Schilder "Rauchen verboten!" oder Tafelanschriebe "nächste Fachschaftssitzung am …" gehören dazu. Fort damit!

Auch die beliebten Kopf- oder Fußzeilen auf jeder Folie mit Logo, Dozent und Lehrstuhlname sind unnötiger Leseballast für unsere Studenten. Wiederum: Fort damit!

(Das mag anders sein in Fällen, in denen Sie etwa ein Projekt des Lehrstuhls in der freien Wirtschaft vorstellen. Da können solche Werbemaßnahmen angebracht sein.)

 

Das Folienskript

"Sie mit Ihren Quakfröschen! (siehe Lehrmail 119) Ich schreib' auf meine Folien als Fußzeile immer den Lehrstuhl und die Seitenzahl drauf, weil ich die Folien als Skript ausdrucke, damit die Studenten was in der Hand haben. Warum soll das schlecht sein?"

Dahinter steckt ein tieferes Problem: Folien für die Lehre haben eine andere Funktion als ein Skript. Folglich sehen sie auch anders aus und werden anders genutzt als ein Skript. Man merkt das z. B. beim Erstellen der Folien. Wenn man gleichzeitig immer denkt: das und das und dieses hier auch … das müßte eigentlich im Skript stehen, dann werden das keine optimalen Folien für die Lehre.

Deutlich wird das, was ich meine, auch beim Thema "Gliederung": Sie werden an entscheidenden Stellen der Vorlesung eine (wiederkehrende) Folie zeigen, um Struktur und Gliederung zu verdeutlichen. Das wiederholte Abdrucken solcher Folien im Skript ergibt keinen rechten Sinn, weil Struktur und Gliederung in einem Skript, also in einem gedruckten Medium, anders (und besser) verdeutlicht werden können.

 

Mikrofon

Mikrofon und Lautsprecheranlage verführen uns leicht dazu, nachlässig oder undeutlich zu sprechen, denn wir haben das sichere Gefühl: das Mikrofon wird es schon richten.

Leider ist das nicht so. Auch eine gute Anlage kann unsere Stimme nur verstärken, also lauter machen. Zur Qualität kann sie nichts dazutun, eher nimmt sie davon etwas weg, weil die Lautstärke häufig nivelliert wird.

Bei einer Lautsprecheranlage kommt der Schall nicht direkt vom Redner sondern irgendwoher aus der Wand, von der Decke ... aus dem Off. Das nehmen wir meist schon gar nicht mehr wahr. Aber tatsächlich führt das zu einer Trennung der visuellen und der akustischen Wahrnehmung des Sprechenden: Der Sprecher bewegt den Mund, der Ton kommt seitwärts aus der Wand. Das kann prinzipiell für unsere Kommunikation mit den Studenten nicht gut sein.

Unsere Empfehlung 1: Sprechen Sie ohne Mikrofon. Oft geht das sogar in relativ großen Räumen. - Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf die Studenten; je nach "Kultur" rufen sie gerne nach dem Mikrofon, damit die Lautsprecher ihren eigenen Lärm übertönen. Bitten Sie einen Kollegen, eine Kollegin dazu.

Unsere Empfehlung 2: Sprechen Sie auch mit Mikrofon so, als ob sie keines hätten. - Probieren Sie aber vorher durch Sprechproben aus, wo und wie Sie das Mikrofon an Ihrer Kleidung am besten befestigen. Da Sie die Wirkung selbst nicht hören, bitten Sie auch hier jemanden um Hilfe.

 

Vom Zeigen - 1. Teil

Etwas auf der Tafel, der Overheadfolie, dem Dia zu zeigen, ist ein Standardelement der universitären Lehre. Was gibt‘s da groß zu sagen? (Man zeigt halt hin!)

Nehmen wir als Beispiel eine vorgefertigte Overheadfolie, an der wir etwas erläutern wollen: Soll man direkt auf der Folie - etwa mit dem Schreibstift zeigen, so dass der Zeiger mitprojiziert wird oder - etwa mit einem Zeigestock - auf der Projektionswand?

Wer je Dozenten in trauter Zwiesprache mit ihrer Overheadfolie (auf dem Projektor) erlebt hat und andererseits Vortragende, die mit ihren Studenten gemeinsam das Bild an der Wand betrachten und dort, wohin sie alle schauen, auch erläutern, wird keinen Zweifel haben, was lebendiger und einprägsamer ist. Die Folie auf dem Overheadprojektor ist für den Studenten ja nicht sichtbar, sie bleibt ihm verborgen. Er sieht das Bild an der Wand. Was da auf dem Projektor liegt, interessiert ihn nicht.

Ich befürworte ganz stark: arbeiten Sie an der Wand. Das schafft Gemeinsamkeit, gibt Raum für körperliche Aktion und fördert damit die Aufmerksamkeit und die Einprägsamkeit. Da sollte Sie auch das Argument nicht stören, dass Sie sich zeitweise vom Publikum leicht abwenden müssen. Dies ist sicher ungünstig, aber man kann ja zum Beispiel seitlich stehen.

Womit soll man zeigen? - Das folgt in Teil 2.

 

Vom Zeigen - 2. Teil: Laserpointer

Aus meiner Zuschauer-Erfahrung heraus habe ich eine tiefe Abneigung gegen Laserpointer - obwohl ich ein Technikfan bin. Diese Geräte erzeugen zwar den Eindruck, dass der Dozent als moderner Mensch auf der Höhe der technischen Entwicklung ist, erfüllen aber das eigentliche Ziel in der Regel sehr schlecht. Es soll ja etwas gezeigt, auf etwas im Bild an der Wand verwiesen werden. Meist ist der Leuchtpunkt des Lasers aber einfach zu wenig auffällig, er hat als "Punkt" auch keinen Zeigecharakter. Hinzu kommt, dass kaum ein Dozent ihn ganz ruhig benutzen kann und die wenigsten so diszipliniert arbeiten, dass sie ihn nur einschalten, wenn er wirklich zeigen soll. Meist irrt der Leuchtpunkt überall herum und gelegentlich heißt es dazu "Hier sehen Sie!" - was man dann gerade nicht lokalisieren kann. - Was ist mit dem guten alten Zeigestock?

 

Laserpointer II

Die Email-Kommentare zu meiner Ablehnung der Laserpointer reichten von "Endlich sagt es mal jemand; ich abonniere Ihren Email-Service und bin auf Weiteres gespannt!" bis zu "0 je, das war doch mein Weihnachtswunsch!".

Das Zeigeproblem ist offenbar noch nicht gelöst. Meine Vorschläge dazu:

Anfrage an Laserexperten: Kann man technisch aus dem Laserpunkt wenigstens einen leuchtenden Strich machen? Oder gibt es das etwa schon?

Anfrage an alle: Gibt es geeignete Lichtzeiger, etwa auf der Basis der Halogen-Taschenlampen? ("Die Leuchte der Cops".)

An Laserpointerbenutzer: Vielleicht kann man das Zuschauer-Problem, nämlich den Laserpunkt zu finden, durch folgende Handhabung beim Zeigen verbessern: Sie beginnen einen Zeigevorgang immer an derselben Stelle der Projektionsfläche, also etwa immer in der linken unteren Ecke, und ziehen den Laserpunkt von dort aus langsam an die Stelle, die Sie zeigen wollen. Das erfordert allerdings disziplinierte Benutzung, d. h. exaktes Ein- und Ausschalten.

Ich bitte um Erfahrungsberichte.

 

Noch einmal: Laserpointer (III)

Meine Kritik am Laserpointer lautete: man findet den leuchtenden Punkt nur schwer, und er hat keinen Zeigecharakter. Inzwischen gibt es Laserpointer, die einen Pfeil auf die Wand projizieren, leuchtend hell, auch in großen Sälen. Wenn man diesen Laserpointer diszipliniert benutzt, also wirklich nur einschaltet, wenn man etwas zeigt, ist er ganz gut, jedenfalls viel besser als die bisherigen Leuchtpunkte.

Erhältlich ist er bei der Firma W. Schaller, Postfach 830755 in 81707 München als "Laser Magic" ArtNr. 192155 zu DM 149,-wohl auch anderswo. Dieser Laserpointer hat Klasse 2 mit einer Leistung von weniger als 1 Milliwatt und erfüllt daher die neuesten Empfehlungen des Umweltministeriums - trotzdem darf man nicht in den Strahl gucken oder diesen auf fremde Augen richten.

Für kleine und mittelgroße Räume empfehle ich nach wie vor den Zeigestab. Das Zeigen mit dem Stab als einer "verlängerten Hand" ist viel ummittelbarer und natürlicher als mit dem Laserpointer. Sie sollten freilich "körperlich aktiv" zeigen, also mit ausgestrecktem Arm. Die körperliche Aktion kommt wiederum Ihrem Vortrag zugute, so dass das Auditorium Ihnen besser folgen kann.

 

Größe des Projektionsfeldes

oder: Wie weit von der Wand muss ich einen Overheadprojektor aufstellen?

Die geeignetere Frage dazu lautet: Wie groß muss das Projektionsfeld sein? - das ist das helle Feld, das der Overheadprojektor auf der Wand entwirft.

Antwort: Die Kantenlänge a soll 1/5 der größten Entfernung E sein, aus der betrachtet wird. Die "Kantenlänge" ist - wegen der trapezförmigen Verzerrung - waagrecht in der Mitte des Projektionsfeldes zu messen.

Zu jedem Raum gehört also eine (richtige) Größe des Projektionsfeldes.

Beispiel: Größte Betrachter-Entfernung in einem Hörsaal sei E=10 m; Kantenlänge ist a=2,0 m; Sie brauchen auf der Wand also ein Feld von ca. 2,0 x 2,0 m für die Projektion.

Dazu Folie auflegen, scharf stellen, Kantenlänge messen; wenn's nicht stimmt, Projektor verschieben, wieder scharf stellen usw.

Die a = 1/5 E-Regel gilt auch für Dias, Film etc und bezieht sich auf die lange Kante. Sie hängt mit dem Sichtwinkel zusammen, den wir Menschen auf einen Blick erfassen können. Wenn das Projektionsfeld größer gemacht wird, dauert die Zeit zum Erfassen des Bildes länger, weil wir den Kopf bewegen müssen.

 

Schriftgröße auf der Tafel

Wie groß muss ich auf der Tafel schreiben?

Damit auch der entferntest sitzende Student Ihre Schrift gut lesen kann, sollte die Schriftgröße 5 Promille der maximalen Entfernung betragen. Die Schriftgröße ist also - je nach Hörsaalgröße -verschieden groß zu wählen.

Beispiel: größte Entfernung zur Tafel = 10 m; 5 Promille davon = 5 x 10 mm = 50 mm; ein "h" müssen Sie in diesem Saal also 50 mm groß schreiben.

Wie groß z.B. 50 mm auf der Tafel sind, merken Sie sich am besten an den Rasterkästchen auf der Tafel - wenn welche drauf sind. Nützlich ist auch eine entsprechend große Markierung mit wasserfestem Filzstift am Tafelrand, an der Sie sich immer wieder orientieren können.

 

Schriftgröße auf der Folie

Wie groß muss ich auf der Folie für den Overheadprojektor schreiben?

Antwort: Handschrift 7 mm; Computerschrift 7 mm, bei gut lesbarer Schrift auch noch 5 mm.

Kleinere Schrift kann man hinten im Raum nicht mehr lesen!

Die Vorschrift gilt immer, egal wie groß der Hörsaal ist. Allerdings muss das Projektionsfeld auf der Wand auf die richtige Größe eingestellt sein (a 1/5 E, siehe Lehrmail 18).

 

Folien: die drei zv

Unsere Erfahrungen zum Thema "Folien" lassen sich leicht zusammenfassen: Zu viele, zu voll, zu farbig! Ganz im Trend liegen die PowerPointer, aber auch die Overheadfolien-Schleuderer sind gut im Rennen.

Zu viele Folien: Können Sie sich noch an alle Bild-Szenen Ihrer letzten Autofahrt erinnern? Sie haben Ihr Auto auf der Basis dieser Unmenge von Bildern sicher zum Ziel gesteuert - und sie zum Glück (fast) alle vergessen. Lehren und Lernen hat aber ein ganz anderes Ziel als unmittelbare Entscheidungen herbeizuführen: Die Bilder sollen "bleiben".

Dazu müssen sie aus dem (Ultra-) Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis gebracht werden. Der erste Schritt dazu: So wenig Folien als möglich.

Zu volle Folien: man mag sie schon gar nicht lesen - und es geht auch gar nicht, wenn der Dozent währenddessen spricht. (Beobachten Sie sich einmal selbst: Sie entscheiden sich für eins: für's Lesen oder für's Zuhören.) Es gibt verschiedene Zwecke von Folien; einer ist, unseren relativ kleinen Arbeitsspeicher im Gehirn zu entlasten. Das funktioniert aber nur, wenn man die Informationen ganz leicht und nebenbei aufnehmen kann. Askese, Sparsamkeit, ist angesagt. Wir empfehlen Ihnen die 5-mal-5-Regel: maximal 5 Zeilen zu 5 Worten - maximal!

Zu farbige Folien: Jeder zusätzliche Reiz verlangsamt die Verarbeitungsgeschwindigkeit der angebotenen Informationen. Andererseits können Farben helfen, Strukturen zu erkennen - und darauf ist unser Gehirn erpicht, so lernt es. Wir empfehlen Ihnen die strenge Linie: Jede Farbe, die Sie in der Folie verwenden, muss eine Funktion haben.

 

Black in

Wir saßen zur Lehrberatung zusammen.

"Was soll ich machen?" fragte der Dozent, "an dieser Stelle will ich etwas Wichtiges sagen, aber ohne meine Beamer-Projektion. Das letzte Bild passt nicht dazu und das nächste brauch' ich erst später; und außerdem will ich, dass die Studenten auf mich gucken und nicht auf die Wand."

Zweifellos gute Gedanken. Leider kann man den Beamer nicht so ohne weiteres kurzzeitig abschalten.

Es gibt aber eine einfache Lösung: Fügen Sie zwischen Ihre (PowerPoint-) Folien eine schwarze Folie ein. Sie erzeugen sie ganz einfach mit "Hintergrund - schwarz". Dann strahlt der Beamer weiter, aber es kommt nichts auf die Wand.

Und die ganze Aufmerksamkeit kommt zu Ihnen.

 

Flipcharts

In Seminaren wird gerne mit Flipcharts gearbeitet – in der freien Wirtschaft noch mehr als an der Universität.

Zu Unrecht!

Auf Flipcharts können Sie wie auf der Tafel schreiben, skizzieren entwickeln, haben aber den Vorteil, dass Sie jeden Bogen abreißen und an der Wand aufhängen können. So entsteht dort eine "Geschichte" der Veranstaltung, eventuell sogar über mehrere Sitzungen hinweg. Stets ist präsent, was Sie erarbeitet haben - Sie können auch immer wieder darauf zurückgreifen.

Flipcharts eignen sich nur für kleinere Gruppen bis zu 15, maximal 20 Teilnehmern. Sonst wird die erforderliche Schriftgröße und als Konsequenz davon das Papierformat so groß, dass man es nicht mehr handhaben kann.

Kaufen Sie karierte Bögen; schreiben Sie 30 bis 40 mm groß in Druckschrift, aber nicht ausschließlich mit Großbuchstaben sondern ganz normal - das liest sich leichter. Und: Jeder Bogen braucht eine Überschrift.

Wenn Sie zum Aufhängen an der Wand Tesa-Krepp benutzen, prüfen Sie lieber vorher, ob beim Entfernen des Klebebandes die letzte Farb- und/oder Putzschicht auch gleich mit abgeht.

Direkt auf den Bogen auf der Wand zu schreiben, kann fatal sein, wenn die Stifte "durchschreiben". Da hilft ein zweiter Bogen als Unterlage.

Wenn Ergebnisse in einzelnen Arbeitsgruppen erarbeitet werden, lassen sie sich auf Flipchartbogen darstellen und dann der Sammlung an der Wand hinzufügen.

 

Foliengestaltung

Verwenden Sie die DIN A4-Folien vorzugsweise im Querformat. Ich weiß nicht genau warum, aber es ist nach aller Erfahrung günstiger.

Seien Sie sparsam, ja richtig knauserig mit den Worten! Je weniger und konzentrierter Sie visuell anbieten, umso besser wird es behalten. - Gegen überladene Folien entwickeln unsere Studenten einen beachtlichen "Lesewiderstand": sie fangen erst gar nicht an, sie zu lesen.

Ein eigener Rand (Rahmen) auf der Folie ist nicht erforderlich, denn die Hell-Dunkel-Grenze des Projektionsfeldes auf der Wand ist Rahmen genug. Im Gegenteil: Sie verschenken nutzbare Fläche.

Eine Logozeile (Name des Lehrstuhls etc) ist nur notwendig, wenn Sie Reklame machen müssen, aber nicht in der Lehrveranstaltung: Entlasten Sie die Gehirne Ihrer Studenten von allen überflüssigen Leseaufgaben.

Seien Sie sparsam mit den Farben! Benutzen Sie sie zur Strukturierung / Codierung; z. B. alle Hauptüberschriften rot unterstreichen - oder: Ströme rot, Spannungen blau, Magnetfelder grün.

In manchen Büchern steht, dass man je nach Hörsaalgröße die Folien verschieden groß beschreiben muss. Das ist Quatsch! Dadurch, dass das Projektionsfeld nach der a = 1/5 E - Regel mit der Hörsaalgröße wächst, wächst auch die Schriftgröße auf der Wand automatisch auf das richtige Maß mit ("ähnliche Abbbildungt9).

DIN A4-Vorlagen in normaler Schrift 1:1 auf Folie kopieren - das geht also nicht, auch wenn das noch so viele machen. Das heißt 7 mm Schriftgröße entsprechen je nach Schriftart einer unterschiedlichen Punkt-Angabe. Arial 28 ist z. B. 7 mm groß. Am besten nachmessen!

 

heutiges Thema: animierte Folien - ein Tipp

Bei animierten Bildern hat man - auch bei guter Vorbereitung - oft das Problem, dass man in der Veranstaltung nicht mehr genau weiß, wie viele Schritte animiert sind, bzw. wann die Animation zu Ende ist. Man öffnet dann unvermutet schon das nächste Bild - mit ganz anderem Inhalt -, muss aber wieder zurück, um die Erklärung zu beenden.

Das können Sie vermeiden, wenn Sie mit der letzten Animation zugleich eine kleine Marke einblenden, zum Beispiel ein unauffälliges Häkchen in einer Bildecke.

Hat man die Animation auf mehrere Bilder verteilt, darf das Häkchen nur auf der letzten dieser Folien erscheinen. (Wir empfehlen die Verteilung auf mehrere Bilder, wenn man sehr viele Animationsschritte hat. Es erleichtert Organisation und eventuelle Änderungen. Der Zuschauer bemerkt nichts davon, weil sich die nächste Folie nur durch einen "Animationsschritt" von der vorhergehenden unterscheidet.)

 

Die Wand hinter dem Dozenten

Das "visuelle Grundangebot", das wir unseren Studenten bieten, ist die Hörsaal- oder Seminarwand, vor der wir agieren. Auch wenn wir dort nichts zum Sehen anbieten, also weder eine Folie zeigen, noch auf der Tafel schreiben, beschäftigt sich der Sehapparat unserer Studenten mit diesem Angebot; ja dann sogar erst recht, denn er ist unterbeschäftigt, wenn wir nur reden.

Wir sollten also auf dieser Sichtwand nur das anbieten, was zu unserem Thema gehört und gleichzeitig darauf achten, dass "die Wand an sich" nicht ablenkt. Also keine Schilder "Nicht rauchen!", keine Infos "Nächste Fachschaftsversammlung...". Solche Mitteilungen werden wieder und wieder gelesen, und die dazu notwendige Energie geht der Aufmerksamkeit für unsere Ausführungen verloren.

Ich empfehle sogar, die Tafel super-sauber zu wischen, denn kreidestreifige Tafeln aktivieren - ganz unnötig - den visuellen Mustererkennungsapparat unserer Studenten.

 

Zeichnen an der Tafel

Zeichnerische Darstellungen braucht - und darf- man nicht in Lichtgeschwindigkeit an der Tafel produzieren, insbesondere dann nicht, wenn die Studenten mitzeichnen sollen: sie brauchen dazu nämlich sehr viel mehr Zeit als bei Text- oder Formelmitschrift.

Einen Text können sie - wenn der Dozent beim Schreiben zuverlässig mitspricht - hörend mitschreiben und dann noch mal kurz durch Blick auf die Tafel visuell kontrollieren.

Bei Zeichnungen spricht man aber nicht parallel zur Kreideführung ("Ich male jetzt einen Strich 16 cm nach rechts, am Ende einen senkrecht nach unten..."). Die Studenten müssen alles rein visuell übertragen - und das dauert! Man kann das gut beobachten: Beim Mitzeichnen gehen ihre Köpfe unentwegt auf und ab und wenn man nicht darauf achtet, ist man schon bei der schönsten Erklärung, während die Studenten immer noch abzeichnen und unserer schönen Erklärung gar nicht folgen können!

Also: langsam!

Wer jetzt sagt "Soviel Zeit, dass die mitzeichnen, hab' ich gar nicht, ich leg' eine fertige Folie auf!", sollte über sein Konzept nachdenken: Mitzeichnen kann manchmal zum Lernen und Verstehen äußerst hilfreich sein, weil es Schritt für Schritt geht - und dann ist es auch sinnvoll, dass wir unseren Studenten die Zeit dafür geben.

 

Lernprogramm mit Powerpoint

Neulich hatte ich die Idee, ein kleines Lernprogramm zu schreiben, das jedermann auf seinem Computer laufen lassen kann. Für so etwas gibt es natürlich spezielle Software. Ich wollte gerade nachgucken, welche denn nun am geeignetsten sei, da stolperte ich über PowerPoint. (Schon wieder Microsoft .... ich weiß, ich weiß, mag den Punkt aber nicht debattieren.)

PowerPoint ist zwar nicht zum Herstellen von Lernprogrammen gemacht, aber es hat viele Möglichkeiten, die man dazu braucht. Sie können ein einfaches lineares Lernprogramm erstellen, bei dem ein Schritt auf den anderen folgt; Sie können aber zum Beispiel auch Verzweigungen einbauen, bei denen der Student wählen kann, was er als nächstes tun will; oder eine Frage stellen und Auswahlantworten anbieten, bei denen es dann - je nach Antwort - anders weitergeht.

Wenn Sie das fertige Programm als Dateityp "Pack&Go-Presentation (*.pps)" speichern, ist der Inhalt für die Benutzer nicht ohne weiteres (versehentlich) zu verändern.

Für mich war von Vorteil: Keine Einarbeitungszeit - PowerPoint kann ich sowieso. Und: PowerPoint hat fast jeder, die Benutzer brauchen also keine spezielle Software.

 

Neue Freiheit

Kollege W. rühmt die neue Freiheit, die ihm der Beamer im großen Hörsaal bringt: "Ein Overheadprojektor muss aus optischen Gründen fast immer sehr nah bei den ersten Stuhlreihen stehen. Für mich als "Redner auf der Bühne" ist das aber ein äußerst ungünstiger Platz - viel zu nah bei den Studenten. Die hinten Sitzenden sehen nur noch meinen Kopf, und der vermengt sich für sie auch noch mit den Köpfen der vorne sitzenden Studenten. - Das ist mit dem Beamer ganz anders: Den Laptop kann ich auf der Bühne hinstellen, wo ich will, und ich stell ihn natürlich so auf, dass ich von allen gut gesehen werden kann. Projektor und Dozent müssen eben nicht nebeneinander stehen wie beim Overheadprojektor. Das gibt wirklich neue Bewegungsfreiheiten."

Die Freiheit wird noch größer, wenn Sie den Bildschirm des Laptop zuklappen und sich einer Funkmaus bedienen. Was die Bilder zeigen, können Sie auch ganz gut im Bild an der Wand sehen. So vermeiden Sie, "mit dem Laptop zu sprechen", was nach unseren Erfahrungen nur zu leicht passiert. Manchem hilft es auch, sich die Folien jeweils im 6er Block als Skript auszudrucken. Da sehen Sie zum Beispiel auch gleich die vorherige und die nächste Folie. Wenn Sie noch die Foliennummern hinzufügen, können Sie übrigens mit "Nummer eingeben und Enter" zu jeder beliebigen Folie springen.