Das (E-)Portfolio als Reflexionsmedium für Lehrende und Studierende

Ausgangslage

Portfolios, sowohl in papierbasierter als auch in elektronischer Form, kommen nun auch an den Universitäten zunehmend zum Einsatz. Während sie in der schulischen und beruflichen Ausbildung schon länger gezielt für die Optimierung von Lernprozessen genutzt werden, scheint ihr Einsatz an den Hochschulen als alternative Form der Leistungsbewertung noch zu überwiegen: Portfolios existieren dann als Option neben dem traditionell Leistungsnachweis (z. B. wissenschaftliche Hausarbeit) und sie entstehen, mehr oder weniger, in Eigenverantwortung der Studierenden. Dabei wird das eigentliche Wirkungspotenzial von Portfolios als Genre reflexiver Praxis nicht wirklich ausgeschöpft, denn die Portfolios werden oft erst in der Endphase des Semesters oder danach erstellt. Aus diesem punktuellen Rückblick auf das Lernhandeln heraus entsteht nur bedingt ein Impuls für Veränderungen in der zukünftigen Studienpraxis.

Im Workshop wollen wir gemeinsam über Möglichkeiten der in den Semesterverlauf integrierten Portfolioarbeit ins Gespräch kommen. Unser Ziel besteht darin, einen Spannungsbogen zwischen mehrfacher „reflection in action“ (Donald Schön) während des Semesters und „reflection on action“ am Semesterende hochschuldidaktisch zu inszenieren. Dazu werde ich die vier Ebenen der Reflexion (Bräuer 2014) und deren Umsetzung durch ein spezielles Aufgabendesign, bestehend aus Primär- und Sekundärreflexion, vorstellen. Auf diese Weise kann reges reflexives Handeln zwischen den Peers bzw. Peer und Lehrperson entstehen, dessen Wirkung nicht nur dazu beiträgt, das aktuelle Handeln in der Praxisgemeinschaft zu optimieren, sondern auch dazu, individuelle Lernhandlungsmuster über das Ende der Lehrveranstaltung hinaus langfristig und nachhaltig zu prägen.

Lernziele

Die Teilnehmenden …

  • … schätzen den Stand reflexiver Praxis (u. U. in Form von Portfolioarbeit) in ihrer Lehre kritisch ein.
  • … diskutieren hochschuldidaktische Alternativen für eine nachhaltige Wirkung von reflexiver Praxis bzw. Portfolioarbeit.
  • … entwickeln Lern- und Prüfungsaufgaben für die verschiedenen Ebenen der Reflexion im Kontext der lokalen Lehr- und Lernumgebung.
  • … vereinbaren kollegiales Feedback für die Weiterentwicklung des im Workshop begonnenen Aufgabendesigns.
  • … erarbeiten gemeinsame Kriterien für die Evaluation gelingender Portfolioarbeit in der Lehre.

Inhalte

  • Ebenen und Medien der Reflexion nach Donald Schön (1987) und Gerd Bräuer (2014)
  • Rhetorische Gestaltung der verschiedenen Reflexionsebenen
  • Kriterien für das Aufgabendesign einer authentischen reflexiven Praxis
  • Hochschuldidaktische Konzepte für (E-)Portfolioarbeit
  • Kriterien für gelingende reflexive Praxis bzw. Portfolioarbeit

 

Ihr Referent: Dr. Gerd Bräuer

Datum: 19.05.2017 (9:30-17:30 Uhr)

Veranstaltungsort: SB II, 05-432

Max. Teilnehmendenzahl: 16

 

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