Was ist Evaluation?

Der Begriff der Evaluation erfährt in sehr unterschiedlichen Feldern zur Zeit eine hohe Aufmerksamkeit. Neben klassischen Feldern der Evaluation, wie der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit, ist Evaluation inzwischen zu einem Konzept herangereift, das unter anderem im Gesundheitswesen, der Verwaltung, der Umweltpolitik, in Schulen, dem Bereich Sozialer Dienstleistungen, zunehmend auch in der Industrie und nicht zuletzt in Hochschulen an Relevanz gewonnen hat.

 

Formen und Funktionen von Evaluation

Hiermit verbunden ist allerdings ein stark differenziertes Verständnis von Evaluation. So lassen sich Projekt- und Programmevaluationen sowie Evaluationen von Organisationen unterscheiden. Unter Projektevaluationen lassen sich solche Verfahren verstehen, die auf die Erfolgsbewertung in sich abgeschlossener Projekte zielen, die spezifische Ergebnisse generieren, jedoch grundsätzlich befristet gedacht sind. Programme sind zwar ebenfalls in der Regel in Form von Projekten organisiert, weisen jedoch insofern darüber hinaus, als die Frage ihrer dauerhaften Implementierung im Vordergrund steht. Insofern kommt im Rahmen von Programmevaluationen der Fragen der Übertragbarkeit und der Wirkungsanalyse - sowohl im Sinne von beabsichtigten als auch ungeplanten Effekten - eine herausragende Bedeutung zu. Die Evaluation von Organisationen schließlich zielt in erster Linie auf die Qualitätsentwicklung von Einrichtungen, die grundsätzlich auf Dauer gestellt sind. Mithin ist die Fragestellung - anders als in Projekt- und Programmevaluationen - weniger an einer Entscheidung über den Fortbestand der Einrichtung als vielmehr daran orientiert, in welcher Weise kurz- und mittelfristige Restrukturierungen möglich sind, die zur Qualitätssteigerung beitragen. Diese Formen der Evaluation lassen sich entsprechend unterschiedlichen Paradigmen der Evaluation zuordnen. Hierbei lassen sich das Kontroll-, das Entwicklungs- sowie das Forschungsparadigma unterscheiden. Während alle Evaluationsformen grundsätzlich auch einen mehr oder weniger engen Forschungsbezug aufweisen können, gilt für Projektevaluationen, dass sie vor allem auf die Erfolgskontrolle intendierter Projektergebnisse zielen und somit vor allem dem Kontrollparadigma zuzuordnen sind. Programmevaluationen haben hingegen sowohl Ergebniskontrollierenden als auch mit Blick auf die Frage der Übertragbarkeit und Implementierung von Programmen Entwicklungscharakter. Evaluationen von Organisationen schließlich sind vorwiegend dem Entwicklungsparadigma verschrieben. Unter dieser Prämisse lassen sich Projektevaluationen in der Regel als summativ - das heißt im Gegensatz zu formativen Evaluationen, dass sie ohne die Spiegelung von Zwischenergebnissen an die Projektnehmer bewerten - Programmevaluationen als summativ und formativ, Evaluationen von Organisationen als formative Evaluationen bezeichnen.

 

Hochschulevaluation

Auch im Hochschulbereich ist das Verständnis von Evaluation sowohl im internationalen als auch im nationalen Raum zum Teil sehr unterschiedlich. So wird in einigen Ländern ein Verfahren präferiert, das sich vorwiegend an einem quantitativen Qualitätsbegriff orientiert, der über die Frequentierung einzelner Hochschulen und Veranstaltungen eine unmittelbare Bindung an die Mittelzuweisung vorsieht. Während ein solcher Zugang einen nahen Bezug zum Controlling an Hochschulen aufweist, werden in Deutschland unter anderem Lehrveranstaltungs- und Absolventenbefragungen, Lehrberichte und schließlich solche Verfahren, die stärker auf die Prozessqualität abzielen unter dem Begriff der Evaluation thematisiert. Evaluation wird an der Johannes Gutenberg-Universität primär unter dem letztgenannten Ansatz diskutiert und realisiert, der in umfassender Weise Fragen der Forschungs- und Studienorganisation in den Fächern und Fachbereichen in den Blick nehmen soll. Zugrunde liegt nach dem Mainzer Modell der Evaluation die Funktion von Evaluation als Qualitätsentwicklungsinstrument, das unterschiedliche Perspektiven zusammenführt und auf Grundlage einer Stärken- und Schwächenanalyse Potenziale identifizieren und in dieser Form den Fächern und Fachbereichen, aber auch der Universität insgesamt eine Grundlage für Strukturentscheidungen bereitstellen soll.