Doktorand/-innenforum 3+4

Teil 3, Moderation: Timo van Treeck (FH-Köln)

Barbara Corleis (Universität Oldenburg): Aktivität und Teilhabe von Studierenden unter dem Diversity-Aspekt „Beeinträchtigungen im Sprachverstehen“ in Lehr-/Lernsituationen

Spätestens mit der Bologna-Reform ist es lauter geworden in den Lehrveranstaltungen deutscher Hochschulen. Gruppenarbeit ist als Merkmal von aktivem Lernen mittlerweile unerlässlich. Wenn viele in einem Raum sprechen, stört das alle – manche aber besonders, wie beispielsweise Studierende mit Hörschädigung, mit anderen Muttersprachen, mit bestimmten sprachlichen Varietäten, mit zentralen Verarbeitungsstörungen oder auch mit klassischen Hörschädigungen. Damit werden bestimmte Aspekte von Diversität, wie z.B. Behinderung oder die Zugehörigkeit zu einer Sprachgemeinschaft, zum Ausgangspunkt von Beeinträchtigungen im Sprachverstehen. Diese Zusammenhänge werfen die Frage danach auf, wie Kommunikationssituationen in Lehrveranstaltungen diversitätsbewusst zu gestalten sind, ohne dabei kompetenzorientierte Lernformen in Frage zu stellen. Notwendig ist ein didaktisch begründbarer Umgang mit Beeinträchtigungen im Sprachverstehen, der dazu geeignet ist, Diskriminierungen durch Diversitätsmerkmale präventiv zu begegnen. Dem Anliegen einer bedarfsorientierten Gestaltung von Lehr-/Lernsituationen folgend, wird innerhalb des hier vorgestellten Promotionsvorhabens die Entwicklung eines hochschuldidaktischen Konzepts zur Qualifikation und Professionalisierung von Lehrenden angestrebt.

Stefanie Schöler (Hochschule Heidelberg): Lehrkompetenz – Lehrtrainings – Mixed Methods

Mit dem Qualitätspakt Lehre (2011) ist die Relevanz kompetenzfördernder Trainingsprogramme an Hochschulen deutlich geworden. Unklar bleibt beim Stichwort „Kompetenzförderung“ meist, was genau unter Lehrkompetenz gefasst wird. Weiterhin bleibt zu fragen, wie sich Lehrkompetenz im Verlauf von Weiterbildungsmaßnahmen überhaupt entwickeln lässt. Der Vortrag umreißt, ausgehend von verschiedenen Kompetenzkonzepten (Weinert 2001, Baumert& Kunter 2006, Klieme & Hartig 2007), ein eigenes Modell, das die Grundlage für die Entwicklung des Untersuchungsdesigns bildet. Am Beispiel der „Innovativen Lehrtrainings“ der SRH Hochschule Heidelberg untersucht die Studie, wie sich die Kompetenzen von Hochschullehrenden im Laufe der Teilnahme an einer hochschuldidaktischen Trainingsreihe entwickeln. Hinsichtlich des Forschungsdesigns kommen im Sinne eines Mixed Methods-Ansatzes ein qualitativer Interviewleitfaden und ein quantitatives 3-Perspektivenfeedback zum Einsatz. Neben der Präsentation erster Ergebnisse, stellt das Resümee abschließend die Frage zur Diskussion, ob und wie es gelingen kann, durch den Einsatz von Mixed Methods einen Beitrag zu einem umfassenderen und tieferen Verständnis von Lehrkompetenzen und deren Entwicklung zu leisten. 

Teil 4, Moderation: Birgit Szczyrba (FH Köln)

Kerstin Probstmeyer (Technische Universität Ilmenau) Gendersensibilität im ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenstudium der Technischen Universität Ilmenau: Voraussetzungen, Umsetzung, Evaluation

Im Rahmen der Dissertation werden auf Grundlage von drei Teilstudien Gender-Aspekte im ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenstudium an der TU Ilmenau näher beleuchtet: Teilstudie 1 untersucht mittels einer Sekundäranalyse ausgewählter Lehrveranstaltungsevaluationen, inwieweit die an der Hochschule etablierten Evaluationsinstrumente Aussagen über die Gendersensibilität der Lehre ermöglichen. Teilstudie 2 untersucht im Rahmen einer explorativen quantitativen Paper-Pencil-Befragung wie die Studierenden der TU Ilmenau die Gendersensibilität in ihrem Grundlagenstudium wahrnehmen und bewerten, inwieweit sich geschlechtsspezifische Interessen, Bedürfnisse und Benachteiligungen zeigen und welche Einstellungen sie zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Gesellschaft vertreten. Mit der Teilstudie 3 werden im Rahmen einer formativen Evaluation in ausgewählten Lehrveranstaltungen des ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenstudiums gendersensible Lehrmaterialien (auf der Basis einer so genannten Gender-Toolbox) entwickelt und hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit getestet. 

Gerald Wibbecke (Universität Heidelberg): Was lernen Lehrende, wenn Sie lernen zu lehren? Die Wirkung einer hochschuldidaktischen Intervention aus verschiedenen Blickwinkeln

Kann eine hochschuldidaktische Intervention nachhaltige Veränderungen bewirken? Dies soll hier geprüft werden. Diese Studie untersucht die Wirkung der Dozentenschulung an der Medizinischen Fakultät Heidelberg, wo insgesamt 40 Lehrende jährlich eine didaktische Schulung absolvieren. Verschiedene Perspektiven stehen bei der Evaluation der Schulung im Fokus: Die Selbsteinschätzung der Lehrenden durch einen Fragebogen. Selbstbeobachtung und Selbstreflexion eigener Lehrveranstaltungen. Peer-Feedback durch kollegiale Hospitation. Expertenbeobachtung mit einem Beobachtungsbogen. Die Perspektive der Studierenden (Fragebogenstudie). Untersucht wird dabei, inwiefern die Annahme, dass individuelle Lern- und Arbeitsphasen gut geeignet für die universitäre Lehre sind, überhaupt von Lehrenden und Studierenden der medizinischen Fakultät geteilt wird. Kann eine Schulung auch bei den Lehrenden wirken, die einer studierendenzentrierten Lehrweise eher skeptisch gegenüber stehen? Die Antwort auf diese Frage ist grundsätzlich von hoher Bedeutung für die Konzeption zielgruppenorientierter hochschuldidaktischer Interventionen, sowie für deren messbaren Erfolg. Für die Analysen dieser Studie wurden aufeinander abgestimmte Messinstrumente entworfen, die hier gemeinsam mit ersten Ergebnissen der Studie vorgestellt werden.