Doktorand/-innenforum 1+2

Teil 1, Moderation: Niclas Schaper (dghd-Vorstand)

Malte Lehmann (Universität Bochum): Semesterbegleitender Intensivlernkurs Mathe/Plus

Der Übergang von der Schule zur Hochschule stellt die Studierenden der Mathematik vor eine große Herausforderung. Auf der methodischen Ebene sind andere Herangehensweisen und elaborierte Lernstrategien gefordert, um das mathematische Wissen zu erarbeiten. Auf der fachlichen Ebene bedingt die Komplexität und die formale Darstellung der Inhalte bestimmte mathematische Denk- und Herangehensweisen,die so in der Schule nicht eingeübt werden.Für die 2-Fach Bachelor von besonderer Bedeutung ist dabei das Aufzeigen der schulischen Bezugspunkte der Hochschulmathematik. Durch den Kurs erhalten die Studierenden ein Forum, um über Mathematik zu diskutieren, die Vorlesungsinhalte gemeinsam aufzuarbeiten und in Gruppenarbeit Lösungen zu Übungsaufgaben zuentwickeln und zu präsentieren. Hierbei erfahren die Studierenden in einer frühen Phase des Studiums Unterstützung beim methodischen und fachlichen Übergang von der Schule zur Hochschule. Der Kurs deckt die folgenden Bereiche ab:Fachliche Kompetenz – Aufarbeiten und Anbieten von Hilfestellungen zu fachlichen InhaltenMethodische Kompetenz – Erarbeiten von Lern- und Arbeitsstrategien der Hochschulmathematik Aufzeigen von Bezügen zum eigenen Schulunterricht aber auch der Relevanz der Inhalte für die spätere Tätigkeit als Mathematiklehrer/in. 

Annette Glathe (Technische Universität Darmstadt): Wirkungsforschung zur Tutorenausbildung an der TU Darmstadt

An deutschen Universitäten werden studentische Tutor/innen in großer Zahl eingesetzt, um Studierende beim Lernen zu unterstützen. Die für viele angehende Tutor/innen neue Lehrtätigkeit erfordert pädagogisch-didaktische Kompetenzen; nicht an allen Universitäten werden Tutor/innen hierin speziell ausgebildet. Fünf Fachbereiche an der TU Darmstadt haben sich zum Ziel gesetzt, ihre Fach-Tutor/innen flächendeckend didaktisch auszubilden und während des Semesters mit Supervision und/oder Lehrhospitation zu begleiten. Man geht davon aus, dass die Studierenden von der Ausbildung der Tutor/innen profitieren. Aber ist dies wirklich so und wenn ja, in welcher Weise profitieren sie? Geprüft werden soll, ob die Qualifizierung der Tutor/innen nachweisbare Wirkungen hat. Dabei werden einerseits die Effekte bei den Tutor/innen selbst in ihrer Kompetenzentwicklung sowie bei ihrer Einschätzung des Nutzens des Trainings gemessen. Andererseits werden bei den Studierenden, die an den Tutorien teilnehmen, die Zufriedenheit und die Leistungsentwicklung untersucht. Das Design sieht eine Kontroll- und eine Experimentalgruppe vor. In diesem Referat sollen die Erstversionen der Forschungsinstrumente (u.a. Beobachtung, Kompetenztest, Fragebögen) vorgestellt und kritisch diskutiert werden. 

Daniela Wagner (Universität Graz): Innovative Lehr- und Lernkulturen an Universitäten

Humboldts (1767–1810) Idee einer universitären, forschungsgeleiteten, dialogischen Lehre bildet bis heute (Universitätsgesetz 2002) eine Herausforderung, denn nicht jede/r exzellente WissenschaftlerIn ist gleichzeitig ein/e gute/r Lehrende/r und umgekehrt (Weber 1917/1919). Wie kann – für wirkungsvolle Lehre unabdingbare – Lehrkompetenz gefördert und in Form innovativer Lehr- und Lernkulturen an Universitäten implementiert werden? Davon ausgehend umfasst das Untersuchungsdesign eine (Inhalts-)Analyse der Homepages aller Hochschulen im deutschsprachigen Raum hinsichtlich existierender Fördermöglichkeiten universitärer Lehre. Diese implementierten hochschuldidaktischen Maßnahmen, die inhärenten theoretischen Überlegungen (Literaturstudium)und die explizierten Erfahrungen (Evaluationen) werden analysiert, strukturiert und in einem konzeptionellen Beitrag zusammengefasst. Der innovative Charakter liegt in einem ganzheitlichen Konzept, das Inhalte, Rahmenbedingungen, Reflexion und Evaluation sowie die Kompetenzentwicklung aller (angehenden) Universitätslehrenden als Voraussetzung für eine verändernde Lehr- und Lernkultur, für eine Professionalisierung und Bedeutungssteigerung sowie damit verknüpft einer nachhaltigen Qualitätsentwicklung und -sicherung von Hochschullehre inkludiert. 

Teil 2, Moderation: Marianne Merkt (dghd-Vorstand)

Roland Happ (Universität Mainz): Die Entwicklung des wirtschaftswissenschaftlichen Fachwissens bei Studierenden der Wirtschaftspädagogik und der Wirtschaftswissenschaften – Eine Längsschnittstudie im Rahmen des Projektes ILLEV

Für die Wirtschaftswissenschaften existiert bislang kein Erklärungsmodell, das die Entwicklung des wirtschaftswissenschaftlichen Fachwissens im Verlauf des Studiums beschreibt. Hierzu findet in dem vorgestellten Projekt eine Untergliederung des wirtschaftswissenschaftlichen Fachwissens in betriebs- und volkswirtschaftliche Inhaltsbereiche statt. Über die Generierung eines Wachstumskurvenmodells, das im Gegensatz zu den herkömmlichen Strukturgleichungsmodellen eine dynamische Komponente in Form von Wachstumsfaktoren beinhaltet, kann eine Aussage getroffen werden, wie sich das Fachwissen der Studierenden entwickelt und welche interindividuellen Unterschiede zwischen den Probanden (z.B. zwischen den Geschlechtern) bestehen. Das Ziel ist es, die Entwicklung des wirtschaftswissenschaftlichen Fachwissens bei Studierenden der Wirtschaftspädagogik und der Wirtschaftswissenschaften im Längsschnitt abzubilden. Hierzu wurden vier Erhebungen im Abstand von zwei Semestern in zentralen wirtschaftswissenschaftlichen Lehrveranstaltungen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt. Es konnten Stichprobengrößen zwischen N=900 bis N=1.200realisiert werden. Durch die Generierung eines individuellen Codes können Studierende zwischen den einzelnen Erhebungen reidentifiziert werden. 

Anna von Werthern (Universität München): Qualität in der Hochschule – ein messbares Konstrukt?

Was bedeutet Qualität im hochschulischen (Lehr-)Kontext? Ist Qualität operationalisierbar und wenn ja, wie? Denn: Obgleich Qualität in Studium und Lehre ein schwer fassbares Konstrukt darstellt (Pasternack2006), hat sie sich vor allem in Form von Evaluations- und Akkreditierungsverfahren als wichtiges Steuerungsinstrument in der hochschulischen Realität etabliert. Besonders häufig werden Verfahren der Lehrveranstaltungsevaluation eingesetzt (Schmidt & Loßnitzer 2010). Trotz kontroverser Diskussion um die Aussagekraft studentischer Bewertungen, kann dem internationalen Forschungsstand gemäß festgehalten werden, dass studentische Lehrveranstaltungsevaluationen weitgehend valide Aussagen über die Lehrqualität erlauben (Hoffmann 2009, Rindermann 2001). Ergebnisse aus turnusmäßigen der Fakultät für Psychologie und Pädagogik der LMU München durchgeführten Lehrveranstaltungsevaluationen dienen, neben einem theoriegeleiteten Konstrukt für Lehrqualität, welches auf Lehr- und Lerntheorien und interdisziplinären Qualitätsansätzen fußt, und unter Berücksichtigung psychometrischer Testgütekriterien, als Arbeitsmodell für eine Weiter- bzw. Neuentwicklung eines an der LMU München gebräuchlichen Instruments zur Lehrveranstaltungsevaluation. 

Carmen Canfora (Universität Mainz, Germersheim): Aktivierende Lehrmethoden in der Übersetzerausbildung – eine Lösung für das Problem heterogener Lerngruppen?

Ein bisher in der vorhandenen Literatur zur Translationsdidaktik kaum reflektiertes Problem ist die zunehmende Heterogenität der Lerngruppen in der universitären Übersetzerausbildung, durch die ein traditionell konzipierter Übersetzungsunterricht kaum noch gewinnbringend umgesetzt werden kann. Im vorliegenden Beitrag soll eine auf die Herausforderung heterogener Lerngruppen zugeschnittene und kompetenzorientierte Lehrveranstaltung vorgestellt werden, die im WiSe 2011/12 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim abgehalten wurde. Dafür wurde ein aufeinander abgestimmtes Konzept aus Selbstdiagnose, individueller Lernzielvereinbarung und frei wählbarem Textpool für die Erstellung eines Portfolios mit einer individuellen Begleitung der Studierenden durch die Dozentin kombiniert und somit ein in hohem Maße individualisierter Unterricht möglich gemacht. Zur Leistungsüberprüfung wurde ein nach translatorischen und fachübergreifenden Subkompetenzen differenziertes Kompetenzraster entwickelt. Erste Ergebnisse im Vergleich mit einer traditionell konzipierten Lehrveranstaltung sind ermutigend und zeigen, dass aktivierende Lehrmethoden dazu geeignet sein können, den Anforderungen sehr heterogener Gruppen Rechnung zu tragen.