Diskursforen

Rüdiger Rhein (Universität Hannover): Hochschuldidaktik – bildungstheoretische Quersichten

Hochschuldidaktik lässt sich als Ort der reflektierenden Artikulation und Bearbeitung lehrpraktischer Anliegen im Hochschulalltag entwerfen: Sie ist ein Ort für die Reflexion auf das irreduzible Kerngeschäft des Lehrens als spezifischer sozialer Praxis mit eigenen Konventionen und Verfahrensweisen und kann auf diese Weise Lehrende darin begleiten, die Anforderungen und Handlungsoptionen in der Gestaltung von Lehr-/Lernsituationen auszubuchstabieren. Dabei erschöpft sich Hochschuldidaktik keineswegs in praxeologischen Empfehlungen zur Gestaltung von Lehrveranstaltungen. Hochschuldidaktik kann es als ihre Aufgabe ansehen, die Komplexität von Lehre in ihren Voraussetzungen und kontingenten, adressaten- und kontextsensiblen Gelingensbedingungen theoretisch zu modellieren und Lehrende durch fallrekonstruktive Reflexion des Lehrhandelns zu begleiten. Basierend auf diesen Überlegungen skizziert dieser Beitrag einen Vorschlag für eine Perspektive auf Hochschuldidaktik als Element reflexiver Bildungswissenschaft. 

Björn Kiehne (Technische Universität Berlin): Lost in Translation? Übersetzungsprozesse Forschung – Praxis, Übersetzer = Verwegene Kämpfer, die den Turm von Babel angreifen.“Albert Camus (1913–1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

Wenn man die hochschuldidaktische Forschung als angewandte Wissenschaft versteht, dann fließen idealerweise Erkenntnisse aus der Forschung direkt in die berufliche Praxis ein. Dieser Transfer birgt Tücken, denn die Sprache der Wissenschaft ist nicht unbedingt die der Weiterbildung. Wie man es von Übersetzungen aus der Literatur kennt, besteht die Gefahr, dass etwas auf dem Weg von der Ursprungs- zur Zielsprache verlorengeht. Übersetzungsprozesse sind hier vonnöten. Die Sprache der Forschung und die Sprache der Praxis: „Biographisches Material ist deshalb zentral für die Pädagogik, weil sich mit ihm der menschliche Sinn und Verweisungszusammenhang analysieren lässt, und zwar sowohl für eine Vergewisserung der Vergangenheit als auch für eine prognostische Absicht.“ (Schlüter, 2002, S. 494)So what? Am Beispiel einer Forschungsarbeit zur Biografizität und Lehrkompetenzentwicklung soll der Übersetzungsprozess beschrieben werden. Was ist zu beachten? Welche Fallstricke gibt es? Welche Möglichkeiten und Grenzen des Erkenntnistransfers von der Forschung zum Praxishandeln lassen sich ausmachen? Dies ist ein Werkstattbericht, der zum Nachdenken über den Transfer Forschung – Praxis anregen soll.

Moderation: Antonia Scholkmann (Uni Hamburg)

Johannes Wildt (Technische Universität Dortmund): Hochschuldidaktische Forschungsstrategien: Ein Blick zurück nach vorn

Der Blick zurück in die frühen 70er Jahre zeigt einbreites Spektrum hochschuldidaktischer Forschungsstrategien.Diese Forschungsstrategien folgten nichtallein dem heute vorherrschenden empirisch analytischeParadigma der (Pädagogischen) Psychologieoder der (Bildungs-)Soziologie mit einer strikten Methodologieeiner Trennung zwischen Forschung undPraxis, sondern umfassten die im Zuge der Entwicklungin den letzten Jahrzehnten weitgehend entwertetenund marginalisierten Handlungs- bzw. Aktionsforschungund praxisentwickelnde Forschung. Füreine anwendungsorientierte Hochschuldidaktik, dieim „Third Space“ der Hochschulen zwischen „Academie“und „Administration“ als „Change Agent“ insbesonderein Implementations- und Innovationsprozessenunterwegs ist, wirft dies Fragen auf. Mit Blicknach vorn soll deshalb nach den Möglichkeiten derHochschuldidaktik gefragt werden, mit „innerinstitutionellerHochschulforschung“, „Design Based Research“,„Evidenz basierter Entwicklung“ an frühereEntwicklungen einer Verbindung von Forschungund Praxis anzuschließen und ihren Handlungsraumdurch kommunikative und kooperative Forschungsstrategien zu erweitern.

Moderation: Sabine Brendel (Zürich)

Andrea Gerber, Sonja Markwalder (Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz): Komplexe Kompetenzen mit qualitativen Methoden erforschen: Herausforderungen am Beispiel der Fähigkeit zur Reflexion

Die Fähigkeit zur Reflexion ist im Kompetenzprofil der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW als Lernziel für das Studium in Sozialer Arbeit verankert. Mittels unterschiedlicher Lehrinterventionen sollen die Studierenden dabei unterstützt werden, Reflexionen zunehmend gezielter einzusetzen und ergebnisorientierter zu steuern. Bislang fehlen sowohl hochschulinterne Belege über den Outcome dieser Lehrinterventionen wie auch Forschungsergebnisse aus der scientific community über die Entwicklung komplexer Kompetenzen, wie sie die Fähigkeit zur Reflexion darstellt. An der HSA FHNW wurde deshalb ein Forschungsprogramm erarbeitet, welches die Komplexität von Reflexionsprozessen erfassen und damit einen Beitrag zur Umsetzung im hochschuldidaktischen Kontext leisten soll. In einem ersten Teilprojekt wird der Frage nachgegangen, welches für Studierende der Sozialen Arbeit Auslöser für eigene Reflexionsprozesse sind. Der Beitrag im Diskursforum zeigt auf, welche Herausforderungen mit der wissenschaftlichen Bearbeitung einer komplexen Kompetenz im Rahmen eines qualitativen Forschungsdesigns einhergehen. Wir thematisieren die Gründe, weshalb wir sowohl die Fragestellung als auch die Erhebungs- und Auswertungsmethode im Verlauf des Forschungsprozesses angepasst haben. Hier wird auch die Diskussion mit den Teilnehmenden ansetzen.

Theresa Schwarzkopf, Andrea Koch-Thiele, Ralf Schneider, Matthias Wiemer |unterschiedliche HochschulenWenn zum „Forschen Lernen & Experimentieren“ das Evaluieren hinzukommt…Datenbasierte Evaluation von (Forschungs-)Werkstätten

Werkstattprojekte haben verschiedene Möglichkeiten ihren Verlauf bzw. ihr Angebot zu evaluieren. Aus fast zwei Jahren Werkstatterfahrung mit der Forschungswerkstatt FLEx am Zentrum für Hochschulbildung der TU Dortmund möchten wir einen kurzen Einblick geben, wie zu Beginn unserer Arbeit der Bedarf bei den Studierenden und prozessbegleitend das Verhältnis von Angebot und Nachfrage evaluiert wurde. Weitere Evaluationsfelder könnten das Verhältnis der Tutorenausbildung zum tatsächlichen Tätigkeitsfeld oder der Kompetenzerwerb der Studierenden sein. In unserem Diskussionsforum möchten wir das Angebot machen, konkret über Evaluationsmöglichkeiten für Werkstattarbeit an der Hochschule zu diskutieren und Perspektiven zu erarbeiten. Es handelt sich hierbei um ein Gemeinschaftsangebot von Personen, die im gemeinsamen Diskurs zu diesem Thema stehen: Theresa Schwarzkopf (FLEx Forschungswerkstatt, TU Dortmund), Dr. Andrea Koch-Thiele (inSTUDIES, Ruhr-Universität Bochum), Dr. Ralf Schneider (Geschäftsführer des pädagogischen Labors/Lernwerkstatt, Universität Kassel) und Matthias Wiemer (Leiter der Hochschuldidaktik der Universität Göttingen).

FoKo (Forschungskommission) dghd Forschungsbedarfe und Forschungsfragen in der dghg